Finanzbildung im Internet mit Fintool

Im Zuge der Insolvenz von Prokon werden die Rufe nach mehr Kontrolle durch die Bafin auch über den grauen Kapitalmarkt lauter – und ich glaube weiterhin, dass das der falsche Schritt ist. Viel dringlicher ist es, den Anlegern bessere Kenntnisse über den Markt, seine Risiken und seine Chancen zu vermitteln.

Bücher und Internetseiten zum Selbststudium gibt es viele, aber die sind häufig zu komplex, zu trocken, nicht aktuell oder kosten Geld. Kurz: sie sind nicht attraktiv. Aus der Schweiz kommt jetzt aber ein Angebot, von dem ich mir hier mehr erhoffe: Fintool.

Fintool hat es sich zum Ziel gesetzt, mit kurzen Videos (2-4 Minuten) elementares Finanzwissen zu vermitteln. Im Fokus steht hier ganz klar der Jedermann, dem man mit sogenannten Streetvideos mit zwei Videos pro Woche Basiswissen rund um das Thema Finanzanlagen vermitteln möchte. Für erfahrerende Anleger soll es mittels Techvideos aber auch anspruchsvollere Kost geben. Außerdem soll später in einer Q&A-Rubrik die Möglichkeit zur Diskussion und weiterführenden Information gegeben werden.

Noch befindet sich das Angebot im Aufbau, der Start ist für Frühling 2014 geplant. Unklar ist mir zum jetzigen Zeitpunkt noch, ob das Angebot später kostenlos sein wird oder nicht. Die bislang vorhandenen Demo-Videos finde ich durchaus gelungen und gut gemacht und lassen durchaus darauf hoffen, dass sich hier eine neue Plattform zur Wissensvermittlung für Finanzthemen etabliert. Nötig wäre es allemal.

Dragon Wealth – eine neue Technologie für das Wealth Management

In der letzten Woche hat die Finovate Europe in London stattgefunden. Ich war zwar nicht dabei, aber die Zusammenfassungen, die ich gelesen habe, waren eher durchwachsen und scheinen darauf hinzudeuten, dass man zwar viele Weiterentwicklungen gesehen, aber kaum wirklich neues erlebt hat. Vielleicht gerade deshalb eine gute Gelegenheit, heute noch einmal auf die letztjährige Finovate Asia zu schauen.

Dort hat sich mit Dragon Wealth eine Firma präsentiert, die einen interessanten Ansatz für die Beratung im Wealth Management und Private Banking entwickelt hat. Viele Kunden dort seien technik-affin und würden eine schnelle und bessere Beratung erwarten als ihnen Banken heute bieten könnten. Außerdem bestünde eine Kluft zwischen den Empfehlungen seines RMs und den Informationen, die der Kunde über sein soziales Netzwerk oder die Medien erhält.

Der Ansatz von Dragon Wealth besteht jetzt darin, diese unterschiedlichen Informationen zusammenzuführen und sowohl der Bank als auch dem Kunden in einem System zugänglich zu machen (wenn auch mit unterschiedlichen Sichten):

“The Dragon Wealth solution takes advantage of the cloud and a social mobile analytics platform to analyse a combination of structured data from the bank and unstructured data from social media and online news channels. Information will be delivered via two different applications and interfaces – one for the bank and the other for the client.” (Pressemitteilung Dragon Wealth)

Der Kunde erhält so alle Informationen aus einer Hand. Gleichzeitig kann der RM die Interessen des Kunden auswerten und so passgenauere Empfehlungen aussprechen. Der Kunde wiederum kann sich anonym mit ähnlichen Anlegern (seiner Peer Group) vergleichen und von deren Enscheidungen profitieren.

“Through an easy-to-use tablet application, investors get a complete, transparent view of what their peers are doing, and aggregated information from external sources such as trends on social media and news sites, as well as bank information. The decision making process for investors then becomes a more collaborative effort, ensuring that the client-Relationship Manager relationship remains meaningful and productive.” (Pressemitteilung Dragon Wealth)

Aus meiner Sicht ein spannender, aber auch ziemlich radikaler Ansatz, den das Team um die beiden Gründer Bert-Jan van Essen und Dana Ritter da entwickelt hat. Gerade in Deutschland und in Europa, wo der Datenschutz eine nicht ganz unwichtige Rolle spielt, wird Dragon Wealth es sicherlich schwer haben zu überzeugen. Vielleicht ist Dragon Wealth deshalb auch in Singapur gegründet worden, aber es gibt immerhin schon ein Office in der Schweiz, so dass es naheliegt, dass man auch in Europa um Kunden werben möchte. Und vielleicht wird man das Produkt dann auch auf der nächsten Finovate in London sehen können.

Hier auch noch mal das Video zur Präsentation auf der Finovate Asia:

Hat die Bankfiliale eine Zukunft?

Der Streit darüber, ob eine Bank in Zukunft noch Filialen braucht, ist nicht neu, aber mal wieder ziemlich aktuell. Zwei relativ konträre Meinungen dazu vertreten aktuell die HypoVereinsbank und die Commerzbank: während die HypoVereinsbank laut Presseberichten jede zweite Filiale schließen und dafür verstärkt auf das Onlinegeschäft setzen will, sind für die Commerzbank ihre Niederlassungen ein wichtiger Bestandteil ihrer Wachstumsstrategie.

Dabei gilt: Filiale ist nicht gleich Filiale. Je nach Lage, Nachfrage und Kundenstruktur wird es zu einer stärkeren Differenzierung der Filialformate kommen. So findet man heute schon in Filialen integrierte Coffee Shops, werden “Flagships” eröffnet oder Filialen auf einfache Beratungsfunktionen ohne Kasse (“Cashless”) reduziert. Die reine Zahl der Filialen sagt deshalb alleine nichts aus, wichtiger ist, was dem Kunden in der Filiale geboten wird.

In Zeiten fortschreitender Digitalisierung kommen nämlich die meisten Kunden aus zwei Gründen in die Filiale: weil sie Beratung wünschen oder weil ihr konkreter Fall nicht automatisiert bearbeitet werden kann. Gerade die Kunden mit besonderen Anliegen jedoch finden sich häufig auch in der Filiale in der Situation wieder, dass die Mitarbeiter dort gar nicht individuell entscheiden können, weil ihnen die nötigen Kompetenzen fehlen oder die Bearbeitung outgesourced ist. Wenn aber auch die Mitarbeiter in der Filiale nur das tun können, was die Software vorgibt und was ins Standard-Raster passt, kann man sich den Weg in die Filiale auch gleich sparen.

Ich glaube: kaum eine Bank wird ganz ohne Filialen auskommen, aber es werden definitiv nicht mehr so viele sein wie heute. Die verbleibenden Filialen müssen aber auf jeden Fall qualitativ gestärkt werden: mit gut ausgebildeten Beratern, die auch die Befugnisse haben, Entscheidungen zu treffen, wenn es mal kompliziert wird. Dann hat die Filiale auch eine Zukunft. Nur guter Kaffee, lange Öffnungszeiten und gemütliche Sessel werden nicht reichen.

Die Bafin als Beschützer aller Anleger?

Im Handelsblatt findet sich heute ein Gastkommentar “Das Grauen am Kapitalmarkt” (beim Handelsblatt aktuell nicht online, hier aber im Wortlaut zu finden) von Dietmar Kälberer, seines Zeichens Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht. In diesem fordert Herr Kälberer generell “mehr Macht für die Bafin” und führt auch ganz konkret aus, was passieren muss, damit in Zukunft nicht noch mehr “Sparer in Zeiten extrem niedriger Zinsen in teilweise dubiose Anlageformen des grauen Kapitalmarkts getrieben” werden:

  1. In Zukunft sollten nur noch die Finanzprodukte erlaubt sein, die von der Bafin inhaltlich geprüft und hinsichtlich ihres Risikos bewertet wurden. Bestimmte Produkte mit hohem Risiko (vermutlich zählt Herr Kälberer Genussrechte dazu) sollen ganz verboten werden.
  2. Die Bafin sollte mehr Befugnisse und Durchgriffsrechte erhalten.
  3. Um das alles leisten zu können sollte die Bafin deutlich mehr Personal erhalten, zu Finanzieren über neue Gebühren derjenigen, die ein Finanzprodukt prüfen lassen wollen.

Zuerst einmal halte ich die These, viele Anleger wurden durch die aktuell niedrigen Zinsen quasi gegen ihren Willen zu Käufern von Prokon-Genussrechten, für extrem gewagt. Ich glaube, dass in den meisten Fällen aufgrund der in Aussicht gestellten Zinsen die Risiken einfach ausgeblendet wurden oder man sich bewusst entschieden hat, das Risiko einzugehen. In beiden Fällen trägt aber der Anleger die Schuld für seine Verluste, nicht der Markt oder irgendjemand anderes.

Und deshalb halte ich auch überhaupt nichts davon, alle Finanzprodukte in Zukunft inhaltlich durch die Bafin prüfen zu lassen. Das ist nicht nur überflüssig, weil die Bafin auch bisher schon die Verkaufsprospekte auf Vollständigkeit und Verständlichkeit prüft (so dass sich jeder über die bestehenden Chancen und Risiken informieren kann), sondern auch schädlich. Denn es setzt voraus, dass es einen einheitlichen Maßstab oder objektive Kriterien für die Bewertung von Finanzprodukten gibt, was aber definitiv nicht der Fall ist. Eine solche Regelung würde letztendlich dazu führen, dass bestimmte Anlageformen, die wir in einer Marktwirtschaft wie unserer für die Kapitalbeschaffung von Unternehmen dringend brauchen, nicht mehr möglich wären.

Ich stimme Michael Schulte uneingeschränkt zu, der in seinem Blog schreibt:

“Die Verbraucher sind nicht vor Risiko zu schützen, sie sind vor Betrug zu schützen!”

Hierfür brauchen wir aber keine neuen Gesetze, dafür reichen die bestehenden vollkommen aus.

Die Einlassungen von Herrn Kälberer ergeben nur einen Sinn vor dem Hintergrund, dass er als Anwalt für Kapitalmarktrecht vermutlich potentiell immer auf der Suche nach neuen Mandanten ist. Und wie stellt man das am besten an? Indem man möglichst vielen öffentlichkeitswirksam suggeriert, dass ihnen Unrecht widerfahren sei. Das ist in diesem Fall vermutlich gelungen.

Kein Provisionsverbot im Rahmen von MiFID II

Während es im letzten Jahr noch Gerüchte gab, dass im Rahmen der Einführung von MiFID II die provisionsbasierte Beratung verboten würde, scheint diese drastische Maßnahme jetzt wieder vom Tisch zu sein.

Nach Abschluss der Trilogverhandlungen zwischen Kommission, Rat und Parlament am Dienstag dieser Woche findet sich im offiziellen Statement von Binnenmarktkommissar Michel Barnier nur noch der Hinweis auf eine Unterscheidung zwischen unabhängiger Beratung (die sich nicht über Provisionen oder Kickbacks finanzieren darf) und nicht unabhängiger Beratung (bei der dann weiterhin Provisionen kassiert werden dürfen):

“Independent advice is clearly distinguished from non-independent advice and limitations are imposed on the receipt of commissions (inducements).”

Während diese Entwicklung von der Deutschen Kreditwirtschaft begrüßt wird sehen dies andere, z.B. der grüne Europaabgeordnete Sven Giegold, kritisch.

Festzuhalten bleibt, dass mit der Unterscheidung zwischen unabhängiger und nicht unabhängiger Beratung (wenn sich dies dann später entsprechend deutlich für den Verbraucher erkennen lässt) sowie der Verpflichtung, alle angefallenen Kosten einmal jährlich konkret auszuweisen, ein weiterer Schritt in Richtung mehr Verbraucherschutz getan wurde.

Die Mitgliedsstaaten haben ja auch noch die Möglichkeit, für sich schärfere Regelungen und somit auch ein Verbot der provisionsgetriebenen Beratung (oder anderer Themen, die zwischenzeitlich mal im Gepräch waren, wie z.B. die Nachberatungspflicht) einzuführen. Gelten würden die neuen Regeln wohl auch nicht vor 2017, bis dahin ist also noch viel Zeit für Änderungen. Bis wirklich Klarheit herrscht werden wir vermutlich noch längere Zeit abwarten müssen.

Ein persönliches Fazit nach drei Monaten – PFM bei der comdirect

Persönlich habe ich schon vor Jahren angefangen, meine Einnahmen und Ausgaben zu notieren und auszuwerten (mit Excel, mit selbst entwickelten Tools und mit verschiedenen am Markt vorhandenen PFM-Lösungen). Deshalb hat es mich auch sehr gefreut, dass die comdirect als einer der ersten Banken in Deutschland mit ihrem Persönlichen Finanzmanager online gegangen ist. Unter der Haube arbeitet dort die Software von Meniga, einem der bekanntesten Anbieter von white-label PFM-Systemen.

Der Start erfolgte fast heimlich und ohne große Ankündigung, aber doch für alle Kunden automatisch und nicht erst auf Anfrage. Nachdem ich jetzt etwa drei Monate selbst das System genutzt habe möchte ich die Gelegenheit nutzen, ein kurzes Fazit zu ziehen.

Positiv

  • Nach einem etwas holperigen Start (vor allem die Erfassung eigener Ausgaben war über Wochen nur mit viel Geduld aufgrund häufiger technischer Fehler möglich) klappt die tägliche Arbeit (Ausgaben erfassen, Buchungen neu kategorisieren oder aufsplitten etc.) ziemlich reibungslos. Hier macht es sich bemerkbar, dass man auf ein ausgereiftes Produkt gesetzt und nicht selbst etwas entwickelt hat. Vor allem die automatische Kategorisierung funktioniert hervorragend.
  • Die Integration in die Oberfläche des Online Bankings ist nicht optimal (z.B. sind häufig viele Klicks zur Ausführung einer Aktion notwendig), aber dennoch brauchbar.
  • Die Benachrichtigung per E-Mail bei ungewöhnlich hohen Umsätzen funktioniert, und das System lernt selbständig dazu.

Negativ

  • Die Verwaltung von Budgets ist aufgrund diverser technische Fehler schon seit längerem nicht nutzbar. Ohne Budgets aber kann man schwer kontrollieren, ob man in bestimmten Bereichen zu viel oder zu wenig ausgibt. Hier helfen dann auch die tollsten Charts und Diagramme nichts.
  • Es fehlt definitiv eine Integration in die mobile App. Gerade in Deutschland, wo man immer noch (notgedrungen) viele Ausgaben in bar vornimmt, ist es mühsam, diese erst nachträglich am Rechner erfassen zu können.
  • Schön wäre es noch, wenn man noch weitere Konten mit einbinden könnte (z.B. Paypal, Yapital etc.). Wer diese Dienste häufig nutzt hat deshalb viele Transaktionen manuell zu erfassen.

Fazit: wer sich vor allem dafür interessiert, wie viel er wofür ausgibt, der kann auch heute schon viel Nutzen aus dem Finanzmanager ziehen. Wer mehr möchte wird zur Zeit noch von technischen Problemen und einer fehlenden Integration in die mobile App aufgehalten. Dennoch: im Vergleich zu vielen anderen PFM-Angeboten ist das, was die comdirect hier bietet, schon ziemlich gut.